Für einige Geocacher ist die Winterzeit eine der schönsten Zeiten für das liebste Hobby.

Das liegt bestimmt zum Teil auch daran, dass man im evtl. frisch gefallenen Schnee die Geocacherautobahnen leichter finden kann. Aber auch die Tarnung des ein oder anderen Caches ist im Winter kontraproduktiv. So ist das Verwenden von künstlicher Vegetation zu wärmeren Jahreszeiten besser als in den kargen Wintermonaten. Unfreiwillig macht es so der Owner einem leichter den Cache zu finden.

Also auf geht es warm eingepackt auf Schnitzeljagd. Am liebsten zuerst im übertragenen und dann im wörtlichen Sinn. Sprich zuerst ein paar Caches heben und dann ab ins Wirtshaus ein leckeres Schnitzel als Belohnung.

Und so stehen wir mal wieder am Anfang einer hoffentlich guten Runde. Wie so etwas geplant werden kann, möchte ich euch in einem späteren Artikel erklären.

Heute haben wir uns 2 Caches ausgesucht die besonderen Kriterien genügen. Zum einen nicht so weit weg, um die Anzahl der 》Wann sind wir endlich da?《-Fragen der Rücksitzbank Fraktion möglichst gering zu halten. Und zum anderen sollten die Laufstrecken einen möglichst ungestörten Genuss der Wintersonne ermöglichen. Letztlich war auch die Anzahl mit Sorgfalt gewählt, weil auf die Außentemperaturen abgestimmt.

Soweit der gute Vorsatz …

Kaum sind wir losgefahren entbrennt schon die Diskussion mit Kind 1, warum man nicht schon im Auto den Notfallproviant verzehren könnte. Kind 2 nickt zustimmend in stiller Hoffnung auch etwas von den Butterkeksen abzubekommen.

Also kommt es wie es kommen muss, genüsslich mampfen beide Kinder je einen Butterkeks. Das hat den Vorteil, dass die Eltern Ruhe haben und den Kindern die Angst vor dem Verhungern genommen ist.

Kaum erreichen wir die letzte Abbiegung vor dem Parkplatz können wir die Sonnenblenden hochklappen und den Scheibenwischer einschalten. Wetterwechsel sind zu allen Jahreszeiten zu befürchten, im Winter fühlen sich diese nur schlimmer an. Aber nach zehnminütigem Warten ist der Schneeschauer an uns vorbeigezogen.

Also alle raus aus dem Auto und rein ins Abenteuer. Nach wenigen Schritten belohnt uns auch noch die Sonne für unsere Entscheidung nicht umzukehren. Entlang einer wunderschönen Allee steuern wir dann auf den ersten Cache zu. Dieser ist dank der kargen Vegetation schnell gefunden. Im Winter fühlen sich 25 Meter quer durch den Wald einfach viel kürzer an als im Sommer. Auf dem gefrorenen Boden läuft es sich wie auf geteertem Untergrund.

Die Kinder sind begeistert, liegen hier doch Steine im Kreis wie bei einer Hexenzusammenkunft. Fehlt nur noch ein kleines Feuer in der Mitte und ein Topf dampfendem Zaubertrank darauf. Aber als Geocacher freut man sich über jeden schön gelegten Cache auch wenn es dort keine Suppe im kalten Winter gibt.

Interessanterweise finden die Kinder alleine den Steinkreis schon so toll, dass diese gar nicht auf die Idee kommen nach einer Dose oder etwas anderem Verstecktem zu suchen. Schön, die Kinder mal so genügsam zu erleben. Nur Papa will natürlich noch mehr – es juckt in der Stempelhand – ein Logbuch muss her!

Aus diesem Grund fangen wir an, alle Steine genauer zu untersuchen. Schnell ist einer gefunden der sich von den Kindern nicht hochheben läßt. Kind 1 klärt den Rest sogleich darüber auf, dass dies daran liegt das der Stein angeleint ist. Noch größer wird die Freude als mit vereinten Kräften an der Kette mit der der Stein befestigt ist gezogen wird. Ein paar Meter weiter springt auf einmal ein vermeintlicher Baumstumpf in die Höhe und gibt den Weg zur darunter verborgenen Schatztruhe frei.

Hier findet sich auch endlich das ersehnte Logbuch. Die Kinder tauschen noch schnell das mitgebrachte Spielzeug gegen etwas anderes aus der Kiste und schon kann das Versteck wieder scharf geschaltet werden. Es wartet schließlich noch ein 2. Cache auf uns und das Wetter sieht nicht sehr beständig aus.

Also raus aus dem Wald und weiter geht es in einem großen Bogen Richtung Auto. Auf dem Weg soll sich noch ein Traditional befinden der laut Bewertungen auch sehr schön sein soll. Also gleich schon mal das GPS-Gerät den Kindern in die Hand gedrückt und schon ziehen diese eiligen Schrittes davon.

Die Eltern folgen mit etwas Abstand. So etwas nenne ich teilautonomes Geocachen – also quasi automatisiertes Geocachen. Natürlich ist es noch nicht perfekt, aber schon sehr nah dran. Ich stelle mir das so vor:

Kind 1 bekommt das GPS Gerät und spürt den gewünschten Cache auf, Kind 2 bekommt den Stempel und signiert das Logbuch.

Jetzt muss nur noch eines der Kinder schreiben lernen und sich im Internet für die Caches bedanken.

Schon müßte man nicht mehr selber Cachen gehen.

Auf der anderen Seite was sollte man dann draußen machen? Einfach nur Rumlaufen … ich glaube die Generation vor uns nannte es „Spazierengehen“ ich werde bei der nächsten Beerdigung mal die letzten Zeitzeugen dieser Aktivität fragen.

(Anmerkung des Autors: Ich hatte inzwischen Zeit, mich nach diesem „Spazierengehen“ zu erkundigen. Es handelt sich vereinfacht gesagt um Pokemon ohne Handy und ohne Arenen. D.h. man bewegt sich durch die Gegend und bildet manchmal spontan Gruppen um über andere Personen oder Gruppen zu sprechen. Alternativ spricht man wohl über das Wetter.)

Aber zurück zu unserem Bericht… nach ein paar Minuten holen wir unsere Kinder wieder ein, da diese bei einen schönen alten teilweise verwitterten Baumstamm angehalten haben um diesen zu untersuchen.

Der Baumstamm ist wirklich schön und auch etwas besonderes. Allerdings findet das Kind 1 überhaupt nicht. Auf der von der Straße abgewandten Seite sprießt zwischen zwei Wurzeln herrlich grünes Gras zwischen ansonsten braunen Grashalmen. Mit einer schwungvollen Bewegung zieht Kind 1 das künstliche Gras nach oben, nimmt die nun nicht mehr verborgene Dose an sich und legt das Gras zurück. Sogleich beschwert sich das undankbare Kind bei seinen Eltern, dass dies kein toller Cache wäre – er ist dem Kind einfach zu einfach. Wenigstens enthält die Dose Dinge zum tauschen. Wobei ich verwundert feststelle, dass Kind 2 lieber das am ersten Cache erbeutete in den 2. Cache legt als noch etwas von den ’schönen‘ Sachen zu tauschen die wir extra für diesen Zweck besorgt haben. Es will auch nichts anderes herausnehmen – vielleicht will sich Kind 2 solidarisieren und damit seinen Protest für das schlechte Winterversteck ausdrücken.

Auch mit dem Hinweis auf den tollen Baumstamm der wirklich wundervoll verwittert ist und mehr als einen Blick wert ist, lassen sich die Kinder nicht wieder gnädig stimmen. Was aber für erfahrene Geocaching-Eltern überhaupt kein Problem darstellt … mal schnell noch ne Runde Butterkekse verteilt und die Stimmung war wieder perfekt.

Also Ende mit der Schnitzeljagd und schnell weiter und ein Schnitzel im Wirthaus gejagt.